Das Rudergerät ist ein vielseitiges Cardiogerät, weil es Ausdauertraining mit einem hohen Anteil aktiver Muskulatur verbindet. Es kann sinnvoll sein, wenn du Herz-Kreislauf-Fitness aufbauen, Kalorienverbrauch erhöhen und dabei gelenksärmer als beim Laufen trainieren willst. Es ersetzt aber weder sauberes Krafttraining noch ist es automatisch für jede Beschwerdesituation geeignet.
- Das Wichtigste in Kürze
- Warum ein Rudergerät ins Trainingsprogramm passt
- Welche Muskeln trainiert das Rudergerät?
- Welche Vorteile hat Training am Rudergerät?
- 1. Hohe Trainingseffizienz
- 2. Gute Eignung für Ausdauertraining
- 3. Stoßarme Alternative zum Laufen
- 4. Gute Steuerbarkeit
- Kalorienverbrauch auf dem Rudergerät realistisch einordnen
- Richtige Rudertechnik Schritt für Schritt
- Häufige Fehler auf dem Rudergerät
- Für wen eignet sich ein Rudergerät – und für wen nur eingeschränkt?
- Rudergerät vs. Laufband, Fahrrad und Crosstrainer
- Trainingspläne für das Rudergerät
- Wie oft pro Woche ist Rudern sinnvoll?
- Praktische Dos und Don’ts
- Grenzen des Trainings mit dem Rudergerät
- Fazit: Lohnt sich Training am Rudergerät?
- Häufige Fragen
- Welche Muskeln trainiert man auf dem Rudergerät wirklich?
- Wie viele Kalorien verbrennt man mit dem Rudergerät in 30 Minuten?
- Ist das Rudergerät gut zum Abnehmen?
- Ist das Rudergerät besser als Laufband oder Heimtrainer?
- Wie oft pro Woche sollte man rudern?
- Kann Rudern Rückenschmerzen verschlimmern?
- Quellen
Das Wichtigste in Kürze
- Das Rudergerät trainiert vor allem Beine, Gesäß, Rücken, Rumpf und ziehende Arm-Muskulatur in einer koordinierten Ganzkörperbewegung.
- Rudern kann die Ausdauer wirksam verbessern, wenn du regelmäßig mit passender Intensität trainierst und die Technik sauber hältst.
- Der Kalorienverbrauch schwankt stark je nach Körpergewicht, Intensität, Dauer und Technik. Pauschale Angaben wie „800 Kalorien pro Stunde“ sind ohne Kontext wenig aussagekräftig.
- Im Vergleich zum Laufen ist Rudern meist stoßarm. Gelenkschonend heißt aber nicht risikofrei: Zu hoher Widerstand, Ermüdung und schlechte Technik können Beschwerden begünstigen.
- Für Einsteiger ist das Rudergerät geeignet, wenn sie zunächst Technik, Belastungsgefühl und Trainingsumfang statt nur Tempo oder Widerstand priorisieren.
Warum ein Rudergerät ins Trainingsprogramm passt
Ein Ruderergometer beansprucht viele große Muskelgruppen gleichzeitig und eignet sich deshalb gut für zeiteffizientes Ausdauertraining. Anders als beim reinen Laufbandtraining kommt der Antrieb nicht nur aus den Beinen. Die Bewegung entsteht aus einer klaren Reihenfolge: erst Beindruck, dann Rumpföffnung, dann Armzug. Dadurch ist Rudern technisch anspruchsvoller als Fahrradfahren oder Gehen, kann bei sauberer Ausführung aber sehr effektiv sein.
Sinnvoll ist das Rudergerät vor allem für drei Ziele:
- Aufbau der allgemeinen Ausdauer
- Ergänzung zu Krafttraining oder Spielsportarten
- Cardiotraining mit geringer Stoßbelastung im Vergleich zum Laufen
Weniger geeignet ist es, wenn du eine sehr einfache, sofort intuitiv nutzbare Cardioform suchst oder wenn du wegen akuter Rücken-, Hüft- oder Kniebeschwerden bestimmte Bewegungsumfänge nicht gut tolerierst. In solchen Fällen muss die Belastung individuell angepasst werden.
Welche Muskeln trainiert das Rudergerät?
Das Rudergerät ist kein isoliertes Muskeltraining, sondern eine zyklische Ganzkörperbewegung. Den größten Anteil am Vortrieb liefern in der Antriebsphase vor allem Unterkörper und Hüftstreckung. Hinzu kommen Rücken- und Armzug in der zweiten Hälfte des Zugs.
Primär beanspruchte Muskelgruppen
- Oberschenkelvorderseite für den Beindruck
- Gesäßmuskulatur für Hüftstreckung
- Rückenmuskulatur, vor allem oberer und mittlerer Rücken
- Latissimus und andere ziehende Schultermuskeln
- Armbeuger als unterstützende Zugmuskulatur
Wichtige stabilisierende Muskulatur
- Bauchmuskulatur und tiefe Rumpfmuskeln zur Kraftübertragung
- Rückenstrecker zur Kontrolle der Oberkörperposition
- Hüftmuskulatur zur Stabilisierung des Bewegungsablaufs
Wichtig ist die Einordnung: Das Rudergerät trainiert viele Muskeln mit, ist aber kein vollständiger Ersatz für gezieltes Krafttraining. Für Muskelaufbau, Maximalkraft oder klare Hypertrophie-Reize sind zusätzliche Kraftübungen meist sinnvoller.
Welche Vorteile hat Training am Rudergerät?
1. Hohe Trainingseffizienz
Wenn du in begrenzter Zeit viele Muskelgruppen gleichzeitig bewegen willst, ist das Rudergerät sehr effizient. Du kombinierst koordinative Arbeit, Ausdauerreiz und einen gewissen muskulären Belastungsanteil in einer Einheit.
2. Gute Eignung für Ausdauertraining
Rudern wird meist als Ausdauertraining genutzt. Je nach Intensität beansprucht es vor allem das aerobe Energiesystem, bei harten Intervallen aber auch anaerobe Anteile. Für die allgemeine Gesundheit gelten weiterhin die bekannten Bewegungsleitlinien: Erwachsene sollten pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten moderat oder 75 bis 150 Minuten intensiver Ausdaueraktivität erreichen und zusätzlich muskelkräftigende Einheiten einplanen.
3. Stoßarme Alternative zum Laufen
Da beim Rudern keine wiederholten Landungen wie beim Joggen auftreten, ist die Stoßbelastung meist geringer. Das kann für Personen interessant sein, die Laufen nicht gut vertragen oder ihr Cardiotraining variieren wollen. Dennoch können vor allem bei hoher Ermüdung, sehr hohem Umfang oder unsauberer Technik Beschwerden im unteren Rücken oder an Knie und Hüfte auftreten.
4. Gute Steuerbarkeit
Auf dem Rudergerät lässt sich das Training gut dosieren: über Dauer, Schlagfrequenz, Pace, Watt, Pausen und subjektives Belastungsempfinden. Das macht es für lockere Grundlagenbelastungen ebenso geeignet wie für intensive Intervalle.
Kalorienverbrauch auf dem Rudergerät realistisch einordnen
Der Kalorienverbrauch hängt vor allem von Körpergewicht, Intensität, Dauer, Technik und Trainingszustand ab. Deshalb sind pauschale Zahlen nur grobe Orientierungen.
Als grober Orientierungsrahmen kann man sagen: In 30 Minuten Rudern liegt der Energieverbrauch oft im mittleren dreistelligen oder oberen zweistelligen Kilokalorienbereich. Wo du innerhalb dieser Spanne landest, hängt vor allem davon ab, wie intensiv du trainierst und wie viel Körpermasse du bewegst. Sehr lockeres Training kann deutlich darunter liegen, harte Intervalle auch darüber.
Wichtig für die Praxis: Anzeigen auf Cardiogeräten schätzen den Energieverbrauch oft nur grob. Für das Abnehmen ist deshalb weniger der einzelne Gerätewert entscheidend, sondern ob dein Training langfristig zu einer passenden Energiebilanz, ausreichender Alltagsbewegung und einer Ernährung passt, die du dauerhaft umsetzen kannst.
Richtige Rudertechnik Schritt für Schritt
Die Technik entscheidet mit darüber, wie effizient und verträglich das Training ist. Eine einfache Grundregel lautet: Beine, Oberkörper, Arme auf dem Hinweg; Arme, Oberkörper, Beine auf dem Rückweg.
1. Startposition
- Arme lang, Schultern entspannt
- Oberkörper leicht aus der Hüfte nach vorn geneigt
- Schienbeine annähernd senkrecht
- Rücken neutral, nicht rund
2. Antriebsphase
- Drücke zuerst mit den Beinen gegen die Fußstützen.
- Öffne den Oberkörper erst, wenn der Beindruck läuft.
- Ziehe den Griff erst zum Schluss zum unteren Rippenbogen.
3. Endposition
- Beine gestreckt, aber nicht hart durchgedrückt
- Oberkörper leicht nach hinten geneigt
- Ellbogen nah am Körper, Schultern tief
4. Rückführung
- Zuerst Arme nach vorn strecken.
- Dann den Oberkörper aus der Hüfte nach vorn bringen.
- Erst danach die Knie beugen und kontrolliert nach vorn rollen.
Für Einsteiger ist wichtig: Stell den Widerstand nicht unnötig hoch ein. Ein zu schweres Gefühl verleitet oft dazu, zu früh mit den Armen zu ziehen und den Rücken zu überlasten.
Häufige Fehler auf dem Rudergerät
- Zu frühes Ziehen mit den Armen: Der Zug beginnt aus den Beinen, nicht aus dem Bizeps.
- Rundrücken in der Startposition: Vor allem bei Müdigkeit geht oft die Hüftbewegung verloren und die Lendenwirbelsäule rundet ein.
- Zu hoher Widerstand: Mehr Widerstand ist nicht automatisch besser. Für Technik und Rhythmus ist ein moderater Zug oft sinnvoller.
- Zu hohes Anfangstempo: Viele Einsteiger starten zu hart und verlieren nach wenigen Minuten Technik und Kontrolle.
- Unklare Reihenfolge in der Rückführung: Wenn die Knie zu früh anziehen, blockieren sie den Griffweg und der Rhythmus bricht.
Für wen eignet sich ein Rudergerät – und für wen nur eingeschränkt?
Gut geeignet ist das Rudergerät meist für gesunde Erwachsene, die ein vielseitiges Cardiotraining suchen, für Kraftsportler als Ausdauerergänzung und für Menschen, die Laufbelastungen reduzieren möchten.
Nur eingeschränkt geeignet oder abklärungsbedürftig ist es bei:
- akuten oder wiederkehrenden Rückenschmerzen
- frischen Verletzungen an Knie, Hüfte, Schulter oder Rippenbereich
- starken Bewegungseinschränkungen in Hüfte oder Knie
- unklarer Belastbarkeit nach Operationen oder längerer Trainingspause
Wenn du bereits Beschwerden hast, solltest du nicht davon ausgehen, dass Rudern automatisch „rückenschonend“ oder „rehatauglich“ ist. Gerade längere Ergometerbelastung und Technikfehler können den unteren Rücken fordern. Bei anhaltenden Schmerzen, deutlicher Erschöpfung oder bekannten Vorerkrankungen ist eine ärztliche oder physiotherapeutische Einschätzung sinnvoll.
Rudergerät vs. Laufband, Fahrrad und Crosstrainer
- Gegenüber dem Laufband: meist weniger Stoßbelastung, aber technisch anspruchsvoller.
- Gegenüber dem Heimtrainer oder Ergobike: stärkerer Ganzkörperanteil, aber höhere Anforderungen an Rumpfspannung und Koordination.
- Gegenüber dem Crosstrainer: oft aktiverer Zuganteil und klarere Rhythmusstruktur, dafür weniger intuitiv.
Wenn dein Hauptziel einfache, lockere Alltagsbewegung ist, kann ein Fahrrad oder zügiges Gehen praktikabler sein. Wenn du dagegen in einer Einheit viele Muskelgruppen einbeziehen willst, ist das Rudergerät oft die vielseitigere Option.
Trainingspläne für das Rudergerät
Die folgenden Beispiele sind bewusst einfach gehalten. Gesteuert wird über das subjektive Belastungsempfinden auf einer Skala von 1 bis 10.
Anfänger: Technik und Grundlagenausdauer
- 5 bis 8 Minuten locker einrudern
- 6 x 2 Minuten ruhiges Rudern bei RPE 4 bis 5
- dazwischen jeweils 1 Minute sehr locker
- 5 Minuten locker ausrudern
2 bis 3 Einheiten pro Woche reichen zum Einstieg meist aus. Ziel ist ein ruhiger Rhythmus mit sauberer Technik, nicht maximale Erschöpfung.
Ausdauertraining für Fortgeschrittene
- 10 Minuten locker einrudern
- 20 bis 40 Minuten gleichmäßig bei RPE 5 bis 6
- 5 bis 10 Minuten locker ausrudern
Das eignet sich für die allgemeine Grundlagenausdauer und als Ergänzung zu Krafttraining.
Intervalltraining
- 10 Minuten locker einrudern
- 8 x 1 Minute zügig bei RPE 8
- dazwischen 2 Minuten locker rudern
- 5 bis 10 Minuten locker ausrudern
Diese Form ist anstrengender und eher für Trainierende geeignet, die die Grundtechnik bereits beherrschen.
Wie oft pro Woche ist Rudern sinnvoll?
Das hängt von Ziel, Trainingsstand und Gesamtbelastung ab. Für viele Einsteiger sind 2 bis 3 Einheiten pro Woche sinnvoll. Wer bereits trainiert und Rudern als Haupt-Cardio nutzt, kann Umfang und Häufigkeit schrittweise steigern. Entscheidend ist, dass Technik und Erholung mitkommen.
Wenn du zusätzlich Krafttraining machst, musst du die Gesamtbelastung im Blick behalten. Sehr harte Ruderintervalle direkt vor schweren Bein- oder Rücken-Einheiten sind oft keine gute Kombination.
Praktische Dos und Don’ts
Dos
- erst Technik festigen, dann Intensität erhöhen
- mit moderater Schlagfrequenz und kontrolliertem Zug beginnen
- Belastung über Wochen steigern, nicht von Einheit zu Einheit erzwingen
- bei nachlassender Technik die Einheit verkürzen oder entschärfen
Don’ts
- Widerstand unnötig hoch stellen
- jede Einheit als Intervalltraining fahren
- Rudern als vollständigen Ersatz für Krafttraining betrachten
- Schmerzen im Rücken oder in den Gelenken übergehen
Grenzen des Trainings mit dem Rudergerät
Ein Rudergerät ist vielseitig, aber nicht universell überlegen. Es ersetzt kein strukturiertes Krafttraining, wenn dein Hauptziel Muskelaufbau oder Maximalkraft ist. Es ist auch nicht automatisch die beste Wahl für absolute Anfänger, die zunächst nur mehr Alltagsbewegung brauchen. Außerdem ist der Technikfaktor höher als bei Gehen, Radfahren oder vielen Crosstrainern.
Gerade bei langen oder intensiven Einheiten zeigt sich eine weitere Grenze: Wenn die Technik unter Ermüdung deutlich einbricht, sinkt nicht nur die Effizienz, sondern oft auch die Verträglichkeit.
Fazit: Lohnt sich Training am Rudergerät?
Ja, das Rudergerät kann ein sinnvoller Bestandteil deines Trainings sein, wenn du ein zeiteffizientes, stoßarmes und vielseitiges Cardiotraining suchst. Besonders stark ist es bei allgemeiner Ausdauer, Kalorienverbrauch und Ganzkörperbeteiligung. Damit es diesen Nutzen wirklich bringt, brauchst du aber eine saubere Technik, eine passende Belastungssteuerung und realistische Erwartungen: Das Rudergerät ist ein starkes Cardiowerkzeug, aber kein automatischer Ersatz für Krafttraining oder individuelle Therapie.
Häufige Fragen
Welche Muskeln trainiert man auf dem Rudergerät wirklich?
Vor allem Beine, Gesäß, Rücken, Latissimus, Armbeuger und die Rumpfmuskulatur zur Stabilisierung. Das macht das Rudergerät zu einem Ganzkörpergerät, auch wenn der Hauptantrieb zunächst aus den Beinen kommt.
Wie viele Kalorien verbrennt man mit dem Rudergerät in 30 Minuten?
Das hängt stark von Körpergewicht und Intensität ab. Als grober Orientierungsrahmen liegt 30 Minuten Rudern oft irgendwo im oberen zweistelligen bis mittleren dreistelligen Kilokalorienbereich. Sehr lockeres Training kann darunter liegen, sehr intensives darüber.
Ist das Rudergerät gut zum Abnehmen?
Es kann dabei helfen, weil es ein wirksames Cardiotraining mit relevantem Energieverbrauch ist. Abnehmen hängt aber nicht am Gerät allein, sondern an der gesamten Energiebilanz, deinem Bewegungsalltag und einer langfristig passenden Ernährung.
Ist das Rudergerät besser als Laufband oder Heimtrainer?
Nicht pauschal. Das Rudergerät bezieht mehr Muskulatur gleichzeitig ein, ist aber technisch anspruchsvoller. Wenn du eine einfache und sehr niedrigschwellige Cardioform suchst, kann ein Heimtrainer oder zügiges Gehen praktischer sein.
Wie oft pro Woche sollte man rudern?
Für viele Einsteiger sind 2 bis 3 Einheiten pro Woche ein guter Start. Fortgeschrittene können Umfang und Intensität erhöhen, wenn Technik, Regeneration und restliches Training dazu passen.
Kann Rudern Rückenschmerzen verschlimmern?
Ja, das ist möglich, vor allem bei schlechter Technik, zu hoher Ermüdung oder bereits bestehenden Beschwerden. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerzen solltest du die Belastung nicht einfach steigern, sondern die Ursache fachlich abklären lassen.
Quellen
- World Health Organization – WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour: at a glance – 2020 – Quelle
- Concept2 – Indoor Rowing Technique on the Concept2 RowErg – Quelle
- Compendium of Physical Activities – Compendium of Physical Activities – Quelle
- Nugent FJ et al. – The relationship between rowing-related low back pain and rowing biomechanics: a systematic review – 2021 – Quelle
- Athy V et al. – Examining the Peer-Reviewed Published Literature Regarding Low Back Pain in Rowing: A Scoping Review – 2023 – Quelle
